Dienstag, 13. Oktober 2015

Ein Lächeln


Foto: Kommunalfriedhof Salzburg

Als ich am Abgrund stand,
verlassen, verloren, allein,
erschien vor mir im
Strahlenglanz der Sonne,
ein Engel.
Unsere Blicke begegneten sich.
Er lächelte mich an
und verschwand im Lichte
der Vollkommenheit.
Sein Lächeln berührte mich,
machte mir Mut
und schenkte mir Kraft,
meinen Weg weiterzugehen.

(von Annegret Kronenberg)

Sonntag, 11. Oktober 2015

Verklärter Herbst


(Foto: Salzburg Blick auf den Schober
von Maria Lehmann - mit freundlicher Genehmigung)


Gewaltig endet so das Jahr
mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
wie schön sich Bild an Bildchen reiht -
das geht in Ruh und Schweigen unter.
 

(Georg Trakl)  

Samstag, 10. Oktober 2015

Letzte Rose...


Letzte Rose
Des Sommers letzte Rose
im kleinen Garten stand,
als ihre große Liebe
einst die Erfüllung fand.


Die Liebe war gestohlen,
drum konnt’ sie nicht besteh’n.
Nur eine Rosenblüte lang,
dann musste sie vergeh’n.


Was blieb, war die Erinnerung,
ein Duft, der nie verweht,
selbst wenn die letzte Rose
nicht mehr im Garten steht.

(Annegret Kronenberg)

Mittwoch, 23. September 2015

Am Morgen aufwachen...



Am Morgen
aufwachen
ohne die Angst
etwas zu verlieren
ohne den Druck
vollkommen zu sein.

Nicht mehr
in langen Zeiträumen
denken.

Dem Leben
seinen Lauf lassen
und offen sein
für die Überraschung
des Augenblicks.

(Lilly Ronchetti)

Dienstag, 22. September 2015

Welkes Blatt...



Jede Blüte will zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden.
Ewiges ist nicht auf Erden
als der Wandel, als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will
einmal Herbst und Welke spüren.
Halte Blatt, geduldig still,
wenn der Wind dich will entführen.

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
laß es still geschehen,
laß vom Winde, der dich bricht,
dich nach Hause wehen.

(Hermann Hesse)

Montag, 21. September 2015

Tröste dich, die Stunden eilen...


Tröste Dich, die Stunden eilen,
und was all dich drücken mag,
auch das Schlimmste kann nicht weilen
und es kommt ein anderer Tag.

In dem ewigen Kommen und Schwinden
wie der Schmerz, liegt auch das Glück.
Und auch heitere Bilder finden
ihren Weg zu dir zurück.

Harre, hoffe. Nicht vergebens
zählest Du der Stunden Schlag.
Wechsel ist das Los des Lebens
und es kommt ein anderer Tag.

(Theodor Fontane)

Sonntag, 20. September 2015

Träume...


Es sind meine Nächte
durchflochten von Träumen,
die süß sind wie junger Wein.
Ich träume, es fallen die Blüten von Bäumen
und hüllen und decken mich ein.
Und all diese Blüten,
sie werden zu Küssen,
die heiß sind wie roter Wein
und traurig wie Falter, die wissen: 
sie müssen verlöschen im sterbenden Schein.

Es sind meine Nächte 
duchflochten von Träumen,
die schwer sind wie müder Sand.
Ich träume, es fallen von sterbenden Bäumen
die Blätter in meine Hand.

Und all diese Blätter, 
sie werden zu Händen,
die zärteln wie rollender Sand
und müde sind wie Falter, die wissen: 
sie enden, noch eh`sie ein Sonnenstrahl fand.

Es sind meine Nächte 
durchflochten von Träumen, 
die blau sind wie Sehnsuchtsweh.
Ich träume, es fallen von allen Bäumen
Flocken von klingendem Schnee.

Und all diese Flocken
sie werden zu Tränen,
ich weinte sie heiss und wirr-
begreif meine Träume, Geliebter, 
sie sehnen sich alle nur nach dir.

(Selma Meerbaum-Eisinger)